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Thomas Schmidt ist der Komponist des neuen Musicals,
"The Castle - das Musical der Sinne", das ab Oktober in
Nürnberg zu sehen sein wird. Ein Musical entsteht ja nicht
über Nacht, sondern die Idee muss ja erst mal da sein, ein
Musical zu schreiben. Weißt Du noch, wie das bei Dir damals
war?
"Grundsätzlich gibt es ja zwei Möglichkeiten,
wie man an so etwas angeht. Zum einen, man setzt sich zum Ziel,
ein Musical zu komponieren, oder wie es bei mir war, dass die Idee
über Nacht da war. Du kommst wie die Jungfrau zum Kinde. Ich
hatte nie vor, ein Musical zu komponieren. Gut, ich hab ein Tonstudio
und komponiere für verschiedene Projekte und Kunden, wie den
Titelsong für den Ironman, aber ein Musical war nie geplant.
Und ich weiß noch, das war 1995, also jetzt gerade mal sieben
Jahre her, es war um Weihnachten herum und ich lief durch Schneegestöber,
und im Rhythmus der Schritte war plötzlich eine Melodie im
Kopf, das ist bei Kreativen anscheinend so, ohne dass man weiß,
wo es herkommt, bin dann gleich ins Tonstudio, nur um die Idee aufzunehmen,
dass ich sie nicht verliere. Ja und dann war´s plötzlich
sechs Uhr morgens, ich stand mit einem Kaffee in der Hand da und
der Song war komplett eingespielt, komplett instumentiert und auch
noch getextet. Und das ganze hat sich zwei Wochen später nochmal
wiederholt, insofern waren die ersten zwei Songs im Kasten, "Es
ist Zeit" und zwei Wochen später "Auf dieser Welt
allein", die ja im Musical auch auftauchen."
OK, dann hat man ein, zwei Songs, man hat die
Idee. Aber wie geht es weiter? Das ganze muss ja auch in die Tat
umgesetzt werden.
"Das ist in der Tat eine harte Arbeit, vor allem
geht die nun schon seit sieben Jahren, viele Tage und Nächte,
wenn mir vorher jemand erzählt hätte, was da alles damit
verbunden ist, ein Musical zu schreiben, umzusetzen, ich glaub ich
hätte eine Gärtnerei aufgemacht, das wäre einfacher
gewesen. Was man da lernt: das man Ausdauer braucht, für so
ein riesen Projekt, Nehmerqualitäten, die kriegt man dann im
Alltag, es gibt nicht nur freundliche Menschen, stellt man fest,
viel Mut und zu allem gehört natürlich auch Glück
und gute Partner und Freunde mit viel, viel Verständnis."
Geht man bei einer Komposition chronologisch vor,
dass man sagt, man hat jetzt hier die Story, dann kommen die Lieder
und dann die Liedtexte oder ist das total unterschiedlich?
"Auch das ist völlig unterschiedlich. Das
ist ja ein kreativer Prozess, den man überhaupt nicht steuern
kann, wie im ganz normalen Business-Ablauf und auch der ist manchmal
schwer zu greifen. Aber gerade im kreativen Bereich...ich werde
oft gefragt, was war denn zuerst? Und ich muss dann überlegen...teilweise
war eine Melodie im Kopf, da war wochen-, monatelang kein Text,
ich wußte gar nicht, wo soll das in das Musical reinpassen
und oft war es auch gar nicht geplant, dass es reinpasst. Dann plötzlich
war ein Text da, aber niemals eine Melodie dazu. Über Nacht
war die Story da. Man soll sich das nicht so vorstellen, dass man
sich bei sieben Flaschen Wein zusammengerauft hätte und sagt,
jetzt lassen wir uns mal eine tolle, neue Story einfallen, die die
Menschen begeistert - nein, das ist ein kreativer Prozess, so eine
Art Eingebung, auch wenn es sich komisch anhört, plötzlich
war alles da und du kannst es nicht beeinflussen, wie ein Maler,
als Sinnbild, der vor einer weißen Leinwand steht, die Idee
im Kopf hat und muss es nur noch runtermalen."
Gibt´s denn für so einen kreativen
Kopf wie Dich, Orte und Zeitpunkte, wann dir die besten Ideen kommen?
"Auch die Frage kenne ich und ich muss deswegen
grinsen, weil es auch da nichts Festes gibt, dass man sagt, man
zieht sich ins Studio zurück oder an den Arbeitsplatz, Schreibtisch.
Es gibt glaub ich, 1000 und einen Ort, wo einem was einfallen kann.
Die beste Story ist immer noch die, die ich immer gerne erzähle:
es war irgendwann an einem Samstag, ich hatte nichts mehr zu Hause,
wollte dringend einkaufen gehen, bin da schon kurz vor Torschluss
in den Supermarkt eingelaufen, und steh vor einem riesen Regal mit
Tomatendosen. Plötzlich hab ich die gar nicht mehr gesehen,
hatte einen Text im Kopf, aber nichts zum Schreiben dabei
darf nicht passieren also was mach ich? An die Kasse vor,
lasse mir Zettel und Stift geben, zieh mich wieder zurück,
der Text war fertig, der Supermarkt hat zugemacht, ich hatte nichts
eingekauft aber das ist das Los des Komponisten, manche verhungern
dabei auch, ich hatte einen Song, aber eben nichts eingekauft."
Jetzt ist das Musical fertig ist es ja
sicherlich nie aber jetzt sind die Songs, die Texte und die
Geschichte da. Jetzt schreibt man so ein Musical ja nicht für
sich selbst, dass man es sich daheim mal anhören kann, sondern
man schreibt das ja für Menschen, die das mal sehen wollen.
Weißt Du noch, wann die Idee geboren wurde, dieses Musical,
"The Castle" auch einem Publikum zugänglich zu machen?
"Ich weiß noch, es war vor zwei oder drei
Jahren. Irgendwann lernte ich eine ganz liebe, nette Frau kennen,
Daniela Andrasch, heute im Musical-Team, sie hat in Nürnberg
eine Eventagentur, und wir haben mal so ganz locker darüber
gesprochen, was der eine oder andere macht. Ich hab erzählt,
ich hab ein Musical komponiert, arbeite ganz hart dran, füllt
mein Leben aus, sagt sie, das ist aber interessant, wann wird das
denn aufgeführt. Darauf ich, gar kein Thema, aufführen,
noch nie dran gedacht. Dann kam der Verweis, sie hätte einen
Bruder, Geschäftsführer Musikschule Stein, sehr Musical-begeistert
- ich solle mich mit ihm mal zusammensetzen. Und so hat sich der
Kreis immer mehr geschlossen. Der kannte dann wieder einen Dirigenten,
den Stadtkapellmeister der Stadt Stein, Norbert Henneberger, und
so kam immer ein Steinchen mehr dazu, es waren immer mehr Punkte,
die sich gelöst hatten, immer mehr Menschen, die Lösungsvorschläge
hatten für das ganze Projekt und was am Anfang so nebulös
war, wie soll man das schaffen, keine Ahnung, kamen, wie durch Bestimmung,
immer mehr Menschen dazu, die genau das Steinchen im Puzzle waren,
um das große Team zu bilden, dass das Musical dann auf die
Bühne bringt."
Man hat es ja schon herausgehört, das Musical
wird groß angelegt sein. Wie laufen oder liefen denn die Vorbereitungen
und welchen Umfang hatten die?
"Wir waren uns von Anfang an einig, dass wir
in Nürnberg ein Musical auf die Bühne bringen wollen,
dass neue Standards setzt, wir können und wollen auch nicht
mit den großen Häusern in Stuttgart, Berlin oder Hamburg,
konkurrieren. Aber wenn man verfolgt hat, dass man in den letzten
Jahren in Nürnberg krampfhaft versucht hat, ein bekanntes Musical
nach Nürnberg zu bekommen - das haben sie ja nie geschafft,
warum auch immer - da war es natürlich so, dass wir uns abgrenzen
wollten, von Schülermusicals, von Regionalproduktionen, die
ja auch ihre Daseinsberechtigung haben, aber unser Musical einen
weiteren Schritt in Richtung Professionalität gehen musste,
damit es auch Erfolg hat. Und so war unser Konzept von Anfang an
angelegt. Gut, am Anfang war es natürlich wichtig, die ganzen
Kompositionen unter Dach und Fach zu kriegen und selbst jetzt, ein
viertel Jahr vor der Weltpremiere, war noch ein Song zu komponieren,
der ist jetzt gerade vor eine Woche fertig geworden, da geht jetzt
alles Hand in Hand, dann wurden die Texte gemacht, dann wurde mit
dem Regisseur, Eckart Böhmer, zusammen das Libretto ausgearbeitet.
Ja und dann kommt der wichtige Punkt, wenn das Kreative hinter einem
liegt, wo soll es dann eigentlich aufgeführt werden. Das führt
zu einer Locationsuche, die sich in Nürnberg gar nicht so einfach
gestaltet hat, denn wo kann man für ein viertel oder halbes
Jahr eine Location ganz für sich haben, die die ganzen Anforderungen
an Logistik, an Erreichbarkeit, an Verkehrsgünstigkeit, bauliche
Verordnungen alle in sich trägt und die dann für uns auch
noch zu finanzieren ist - also das ist enorm schwer. Insofern sind
wir froh, dass wir das Musicalzelt am Volksfestplatz gefunden haben,
die Stadt Nürnberg als Partner, die uns den Volksfestplatz
ein halbes Jahr exklusiv zur Verfügung stellt. Der nächste
Punkt war natürlich, die Finanzierung zu klären, Sponsoren
zu finden, viele Skeptiker zu überzeugen, dass wir was Neues,
Tolles machen, dass wir es schaffen werden. Da gab´s natürlich
manche, die haben sich nicht überzeugen lassen aber du kannst
ja nicht alle im Leben gewinnen. Du brauchst eine handvoll, die
hinter dir stehen und wir sind natürlich froh, dass wir dieses
gefunden haben und jetzt geht´s natürlich seit Anfang
des Jahres darum, dass Team aufzustellen, das dann auf der Bühne
steht. Es wurden im ganzen deutschsprachigen Raum Auditions ausgeschrieben.
Wir haben in drei Wellen Musicalprofis gecastet und durch die Auditions
geschleust. Es waren harte Wochenenden, für beide Seiten, für
das Auditionteam, das dann die Qual der Wahl auch hat, da kommen
wirklich ganz tolle Leute nach Nürnberg, wir waren überrascht."
Jetzt fragen sich vielleicht einige, wieso gerade
in Nürnberg. Wenn man Musical hört, dann denkt man Stuttgart,
an Hamburg, an Berlin, wahrscheinlich nie an Nürnberg. Wenn
man sich die Musicallandschaft anschaut, dann ist da ein schwarzes
Loch. Wieso gerade Nürnberg, weil Du aus Nürnberg bist
oder hat das einen anderen Grund?
"Das ist natürlich mit ein ausschlaggebender
Grund, logischerweise, dass ich aus Nürnberg bin. Es gibt ja
den Spruch "Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande",
und dieses zu widerlegen ist eine Aufgabe, zum anderen ist es natürlich
auch so, wenn ich in eine andere Stadt gegangen wäre, dann
wäre es für mich natürlich viel schwieriger gewesen,
weil ich da nicht so viel Kontakte gehabt hätte, die mir weitergeholfen
hätten. Also in Nürnberg bin ich durch meine Tätigkeit
in den Medien oder jetzt auch in der Wirtschaft mit so vielen Menschen
in Kontakt, die mir weiterhelfen können, das sind ganz kurze
Wege, das hätte ich woanders nicht gehabt. Zum anderen ist
es auch so, wie du sagst, Nürnberg ist ein schwarzes Loch auf
der Musicalkarte - na das ist ja gerade die Chance und Herausforderung.
Wieso soll ich in eine Stadt gehen, wo es schon zwei, drei andere
Musicals gibt? Um mich da komplett in Konkurrenz zu setzen? Wir
haben im Umfeld von Nürnberg 200 Kilometer Minimum nichts Vergleichbares.
Und der Zuspruch jetzt bereits, nachdem wir zwei Wochen im Kartenvorverkauf
sind, zeigt, dass es dankbar angenommen wird. Bis Ingolstadt, bis
Passau, München gehen die Anfragen. Und das nächste ist
ja "Ludwig" bzw. Stuttgart als nächster Musical-Standpunkt
und da haben wir einen riesen Einzugsbereich."
Das Musical findet statt im Musicalzelt am Dutzendteich
in Nürnberg. Wie wird denn das Ambiente vor Ort aussehen? Wird
man sich da richtig in eine schottische, irische Landschaft reinversetzen
können?
"Ja, wobei wir uns mehr nach der Story richten.
Wir haben, ohne das ich die Story jetzt ganz erzählen möchte,
weil das würde Stunden in Anspruch nehmen, so emotional, wie
ich das gerne erzählen möchte, wir spielen ja von der
Gegenwart ausgehend, wo wir eine Reisegruppe beobachten, die eine
Burgführung macht und zwei Teilnehmer treffen sich dann im
Mittelalter als Königstochter und Bauernjüngling wieder,
die sich ineinander verlieben, was ja nicht sein darf. Das ganze
Musical spielt ja dann eigentlich im Mittelalter, um ganz am Schluss
wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Und wir möchten
diese Zeitreise in der Geschichte übertragen auf unsere Zuschauer,
sie auch auf eine Zeitreise mitnehmen, die schon an der Eingangspforte
beginnt. Sie werden in einem Foyer sich wohlfühlen, mit Essen
und Trinken, aber auch mit Musik und Gauklern. Dieses Foyer wird
mittelalterlich gestaltet sein, als Dorfschänke. Und von diesem
Foyer geht man dann in den eigentlichen Zuschauerraum und findet
sich dort wieder im königlichen Forst von Brednock Castle,
wo wir 20 Meter lang an den Seiten Waldkulissen aufgebaut haben
werden, da erzähl ich aber noch nicht so viel, das gibt eine
tolle Kulisse, auch mit Waldboden und es wird auch so durften und
wir werden den Wind spüren, der durch den Wald geht. Also der
Zuschauer sitzt im Wald und von diesem Wald, einer Lichtung aus,
hat er den exklusiven Blick auf die Bühne, die gestaltet ist
als Brednock Castle, mit zwei mächtigen Außentürmen,
einer Burgmauer, einem mächtigen Eichentor, dass sich dann
wie durch Geisterhand öffnet und den kompletten Blick auf das
Burginnere öffnen wird. Und da ist dann noch ein weiterer Turm,
der Schicksalsturm, da möchte ich aber nicht vorgreifen, das
wird man im Musical sehen, was mit dem Turm alles passiert. Also
man sieht schon, dass die drei Elemente schön zusammenwirken,
aus der Story entlehnt sind und man wird nicht mehr sehen, dass
man in einem beheizten Zelt sitzt, sondern man sitzt in einer ganz
anderen Welt mit tollen Lichtstimmungen, mit einem Surround-Sound,
wie man es aus dem Kino her kennt und wir wollen, dass die Zuschauer
auch emotional komplett in die Story mit abtauchen."
Du hast vorhin schon den Cast angesprochen, den
national bekannten und teilweise sogar international bekannten.
Kann man schon ein paar Namen nennen?
"Ja man kann schon ein paar Namen nennen! Wir
haben durchwegs erfahrene Musicalprofis, die wir aus dem ganzen
deutschsprachigen Raum gewonnen haben. Ganz stolz sind wir natürlich,
dass es uns gelungen ist, für die vier Hauptrollen ganz ganz
tolle, erfahrene Leute zu bekommen. Zum Beispiel den König
Duncan wird bei uns Jerzy Jeske spielen, der bekannt ist von seinen
Hauptrollen in Hamburg als "Phantom der Oper", "Miss
Saigon" Stuttgart und in "Les Mis" war er auch in
der Hauptrolle zu sehen. Wir haben aus Köln, um erst mal in
der Herrenriege zu bleiben, den Thomas Wissmann, der bei uns den
Burgführer und Hofnarren spielen wird, ganz toll und mit einer
riesen Ausstrahlung auch, Lutz Thase aus Köln, der unseren
jugendlichen, bäuerlichen Liebhaber unserer Königstocher
spielt und die Königstochter selber, eine ganz reizende und
bezaubernde Dame mit einer sagenhaften Stimme, die die Herzen, wahrscheinlich
nicht nur der Männer, sondern auch der Frauen rühren wird,
Susann ten Harmsen, gebürtige Niederländerin, aber jetzt
in Wien spielt und wir sie von dort loseisen und nach Nürnberg
holen konnten."
Ich denke, Du hast uns schon mal Geschmack auf
die Aufführung von "The Castle" in Nürnberg
gemacht. Ist denn, um schon mal weiter in die Zukunft zu blicken,
auch geplant, das Stück woanders aufzuführen, vielleicht
Tournee-technisch oder in eine andere Stadt?
"Pläne gibt es schon, die liegen auch schön
verschlossen in der Schublade, sind auch schon angedacht. Natürlich
steht jetzt im Vordergrund die Weltpremiere in Nürnberg. Wir
werden ab dem 24. Oktober, jeweils Freitag, Samstag, Sonntag spielen,
das sind bis zum 31. Januar ca. 46 Vorstellungen und dann würde
ich sagen, wie sagt unser Fußballkaiser: dann schau mer mal
weiter, was sich dann ergibt. Optionen gibt es viele, wir haben
zum Beispiel schon die Bitte der Stadt Nürnberg vernommen,
ob wir es nächstes Jahr dann nicht wieder spielen möchten.
Ja, wahnsinnig gerne! Es gibt auch die Möglichkeit, es auf
Deutschlandtour zu schicken, auch da gibt es schon grobe Pläne,
aber im Vordergrund steht jetzt erst mal die Weltpremiere und die
Produktion richtig toll über die Bühne zu kriegen und
dann steht uns sowieso Tür und Tor offen für weitere Projekte."
Ich freu mich drauf, bin mal gespannt wie
es wird und sage toi toi toi. Und wir hören uns spätestens
an der Weltpremiere wieder.
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